Allergische Reaktion infolge eines Mückenstichs: Ursachen, Symptome und Behandlung

Für die meisten Menschen sind Mückenstiche nur Ärgernisse – zwar ist das Jucken lästig, doch heilt der Stich meist komplikationsfrei ab; die Übertragung ernster Infektionskrankheiten ist in Deutschland kaum zu befürchten. Mehr dazu erfährst du hier: Was man über Mückenstiche wissen sollte.

Bei Allergikern hingegen können Mückenstiche allerdings deutlich heftigere Beschwerden auslösen:

  • Allergien gegen Mückenstiche entstehen durch die Überreaktion des Immunsystems auf die an sich harmlosen Proteine des Mückenspeichels.

  • Symptome einer Mückenstich-Allergie sind meist stärkere Hautreaktionen, seltener auch unspezifische Beschwerden wie allergischer Schnupfen. In Ausnahmefällen können auch gefährliche Herz-Kreislauf-Reaktionen auftreten.

  • Sofortbehandlung durch Antihistaminika ist bei einer lokalen allergischen Reaktion auf Mückenstiche meist ausreichend, bei starken anaphylaktischen Reaktionen sollten Allergiker stets ein Notfallset parat halten.

Informiere Dich, was bei einer allergischen Reaktion genau passiert, auf welche Symptome du achten solltest und welche Möglichkeiten zur Behandlung einer Mückenstich-Allergie existieren.

Ursache

Ursache der allergischen Reaktion ist meist eine übersteigerte Immunreaktion

Als Allergie bezeichnet man die übermäßige Abwehrreaktion des Immunsystems gegen grundsätzlich harmlose Fremdstoffe – die sog. Allergene. Das Entstehen einer Allergie lässt sich vereinfacht so beschreiben:

  1. Fehlentscheidung des angeborenen Immunsystems: Der eigentlich harmlose Fremdstoff wird beim ersten Kontakt als gefährlich eingestuft.

  2. Antikörper-Produktion des erworbenen Immunsystems: Um für künftige Kontakte mit diesem Fremdstoff besser vorbereitet zu sein, werden spezielle Antikörper (Immunglobuline) produziert, die über Jahre hinweg im Körper verbleiben – insbesondere Immunglobulin E bzw. IgE.

  3. Allergische Reaktion: Kommen die IgE-Antikörper in Kontakt mit ihrer Zielsubstanz, also dem Auslöser, werden die Mastzellen zur Ausschüttung von Histamin und anderen Botenstoffen angeregt, die die allergische Reaktion auslösen.1

Allergien gegen den Speichel von Stechmücken, genauer gesagt gegen die im Speichel enthaltenen Proteine, sind recht häufig, verursachen in der Regel aber nur leichte Beschwerden. Schwere oder gar lebensbedrohliche allergische Reaktionen treten nach einem Mückenstich nur selten auf – derartige Notfälle verzeichnen Mediziner eher bei Allergien gegen das Gift von Hautflüglern wie Bienen und Wespen.2

Symptome

Symptome sind bei Allergikern nicht immer lokal begrenzt

Die typischen Symptome eines Mückenstichs – Juckreiz, Rötung und Schwellung der Haut – kennt vermutlich jeder. Detailliert nachlesen kannst du dies hier: Symptome bei einem Mückenstich

Häufigstes Allergiesymptom ist eine verstärkte Hautreaktion

Die allergische Sofortreaktion nach Mückenstichen wird vor allem durch den Botenstoff Histamin vermittelt. Das Andocken von Histamin an die H1-R-Rezeptoren bewirkt in erster Linie Hautreaktionen, die deutlich stärker ausgeprägt sind als ‚normale‘ Mückenstich-Symptome:

  • starker Juckreiz und Brennen an der Einstichstelle

  • Hautrötungen durch die lokal erhöhte Durchblutung

  • deutlich ausgeprägte Schwellung der Einstichstelle durch verstärkte Flüssigkeitsansammlung im Gewebe

  • deutlich abgegrenzte Quaddeln, häufig hell gewölbt auf der geröteten Haut (Nesselsucht bzw. Urtikaria)3

Solche allergischen Hautreaktionen sind relativ häufig: 75 % der Bevölkerung reagiert auf einen Mückenstich mit Quaddeln, 50 % mit Spätreaktionen der Haut wie bspw. Papeln.2

Unspezifische Symptome bei einer Mückenstichallergie

Die verstärkte Histamin-Ausschüttung bei einer allergischen Reaktion bewirkt auch die Weitung der Blutgefäße sowie das Zusammenziehen der glatten Muskulatur der Atemwege.3

Dies kann auch zu systemischen Beschwerden führen, die bei einer Mückenallergie jedoch vergleichsweise selten auftreten; bei einer Bienen- oder Wespenallergie sind derartige Reaktionen deutlich häufiger. Mögliche Symptome dabei sind:

Äußerst seltene Beschwerden bei Allergie gegen Mückenstiche

Allergische Reaktionen können grundsätzlich auch das Herz-Kreislauf-System betreffen. Bei Mückenstichen treten derartige Beschwerden wie gesagt nur in Ausnahmefällen auf, bei einer Bienen- oder Wespenstich-Allergie dagegen besteht ein höheres Risiko.

Bei diesen Symptomen ist umgehend ärztliche Hilfe erforderlich:

Für solche Fälle sollten Allergiker grundsätzlich ein Notfallset zur Hand haben: In der Regel enthalten solche Sets einen Adrenalin-Autoinjektor, ein H1-Antihistaminikum, Glukokortikoide (Kortison) und ggf. ein inhalatives Adrenalin-Präparat.

Wichtig zu wissen: Anaphylaktische Reaktionen können biphasisch verlaufen, das heißt, nach der ersten Besserung können die Symptome nach einigen Stunden erneut in Erscheinung treten. Beim Auftreten von Herz-Kreislauf-Beschwerden nach einem Insektenstich ist also stets eine ausreichend lange Nachbeobachtungszeit erforderlich.5

Behandlung

Behandlung von Allergiesymptomen: hier kann ein Arztbesuch nötig sein

Was bei einer Mückenstich-Allergie zu tun ist, hängt vor allem von der Heftigkeit der Symptome ab: Leichte allergische Reaktionen kann man meist selbst hinreichend behandeln. Bei stärkeren Reaktionen ist jedoch eine Anwendung der Notfallausstattung und/oder ärztliche Behandlung erforderlich.

Eine Mückenstichallergie ist schwer zu diagnostizieren

Während Allergien auf die Insektengifte von Bienen, Wespen und anderen Hautflüglern recht gut erforscht sind, existieren bislang nur wenige Studien zu Allergien gegen Mückenstiche.

Problematisch ist vor allem, dass bislang nur wenige Proteine im Stechmücken-Speichel identifiziert wurden. Das erschwert die Durchführung von Allergietests (bspw. Prick-Test oder Labor-Tests zur Antikörper-Bestimmung).6 Unklar ist auch, ob die Möglichkeit einer Hyposensibilisierung besteht, wie sie bei Bienen- und Wespengiftallergien möglich und üblich ist.7

Dass die Identifizierung von Allergenen im Mückenspeichel medizinisch möglich und wünschenswert ist, zeigen vorliegende Studien für einige nichteuropäische Mückenarten.8

Antihistaminika und Kortisonpräparate werden häufig zur Therapie der Allergiebeschwerden eingesetzt

Zur Behandlung allergischer Reaktionen nach einem Mückenstich werden vor allem Antihistaminika eingesetzt. Sie blockieren den H1-R-Rezeptor und hemmen so die Signalübermittlung durch den Botenstoff Histamin. Antihistaminika sind in verschiedenen Darreichungsformen erhältlich:

  • als Salbe zur lokalen Anwendung bei allergischen Hautreaktionen

  • als Tablette oder Tropfen zur oralen Einnahme bei systemischen Reaktionen9

Bei entzündlichen Hautreaktionen können auch Kortisonsalben zum Einsatz kommen.10

Den normalen Juckreiz nach Mückenstichen, der ebenfalls durch Histamin vermittelt wird, kannst du durch einen Wärmeimpuls schnell und wirksam lindern. Besonders einfach geht das mit dem original Stichheiler bite away®, der einen genau temperierten Wärmeimpuls erzeugt und damit das lästige Jucken meist schon eine Minute nach der Behandlung lindern kann – schnell, hautfreundlich & ganz ohne Pharmazeutika.

Vorbeugende Maßnahmen gegen Mücken

Für Allergiker und Menschen, die auf Mückenstiche empfindlich reagieren, ist Prävention besonders wichtig –glücklicherweise kann man einiges dafür tun, um möglichst selten gestochen zu werden.

Innenräume lassen sich durch Fliegengitter bzw. -netze weitestgehend mückenfrei halten, draußen im Freien bieten Mückensprays den besten Schutz! Welche Wirkstoffe besonders effektiv sind und welche weiteren Mückenschutz-Optionen existieren, erfährst du hier: „Was hilft gegen Mücken?“

Quellen

Wissenschaftliche Quellen

1 Ausführlich dazu siehe Axel Trautmann, Jörg Kleine-Tebbe: Allergologie in Klinik und Praxis. Georg Thieme Verlag 2017, S. 20 ff.

2 Przybilla B, Ruëff F: Insektenstiche. Klinisches Bild und Management. In: Deutsches Ärzteblatt 2012, Jg. 109, Heft 13, S. 238–48.

3 Joachim Saloga: Allergologie-Handbuch. Grundlagen und klinische Praxis. Schattauer Verlag 2006, S. 74-75.

4 Matthias Goebeler, Henning Hamm: Basiswissen Dermatologie. Springer-Verlag 2017, S. 46-47.

5 S2-Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Allergologie und klinische Immunologie (DGAKI) et al: Leitlinie zu Akuttherapie und Management der Anaphylaxie. In: Allergo Journal International 2014; 23: S. 96–112.

6 Allergie gegen „Mückenstiche“ – gibt es das? (Interview mit  Marcus Maurer, Professor für dermatologische Allergologie an der Charité Berlin, URL: Link)

7 Zur Indikation & Durchführung der Hyposensibilisierung bei Bienen- bzw. Wespengift-Allergie siehe Joachim Saloga: Allergologie-Handbuch. Grundlagen und klinische Praxis. Schattauer Verlag 2006, S.395-397.

8 Siehe bspw. Docena GH, Benítez P, Campos RE, et al. Detection of allergens in Aedes albifasciatus mosquito (Diptera: Culicidae) extracts by immunological methods. Journal of Investigational Allergology & Clinical Immunology. 1999 May-Jun;9(3):165-171 SOWIE Lígia Inés Moncada-Álvarez, Myriam Janeth Salazar-Terreros, Myriam Consuelo López-Páez: Allergy in humans induced by saliva from insects from the family culicidae. In: Revista de la Facultad de Medicina, 59(2), S. 133-148. URL: Link.

9 Heinz Lüllmann, Klaus Mohr: Pharmakologie und Toxikologie. Arzneimittelwirkungen verstehen - Medikamente gezielt einsetzen. Georg Thieme Verlag 2006, S. 109, 112-114.

10 Heinz Lüllmann, Klaus Mohr: Pharmakologie und Toxikologie. Arzneimittelwirkungen verstehen - Medikamente gezielt einsetzen. Georg Thieme Verlag 2006, S. 381ff.